Zeitgenössische Kunst @ MuseumPasseier: Marcello Maloberti und seine "Heldenbilder"

Die Fotoserie Marcello che arriva in treno porträtiert Kunden eines arabischen Friseurs in Mailand. Die Haltung der fotografierten Personen erinnert an die strenge Darstellung von religiösen Kirchenträgern, wie Kardinäle, Päpste oder Bischöfe auf alten Gemälden. Das rote Tuch, ein Element des Arbeitsalltags, erhält plötzlich einen heroischen und feierlichen Zug, der einen Kontrast zur Realität darstellt und dem Porträtierten etwas Edles verleiht. Alltägliches und Gegenwärtiges vermischen sich hier mit Kunstgeschichtlichem und erheben den Dargestellten scheinbar in den „Adelsstand“.

Ausgangspunkt der Arbeiten von Marcello Maloberti ist die Realität, die der Künstler unter dem Einsatz der Performance sowie einfachen szenischen Methoden erweitert und – einem alltäglichen Theater gleich – ad absurdum führt. Kritiker bezeichnen seine Kunst, in der sich der Bezug zur Realität zur Vision umwandelt, als „magischen Realismus“.

„Sag mir, zu wem du aufschaust, und ich sage dir, wer du bist.“, so lautet das Motto der Sonderausstellung Helden & Wir des MuseumPasseier. Die Fotoserie Marcello che arriva in treno wirft ähnliche Fragen auf und bringt einen weiteren, zeitgenössischen Aspekt mit hinein:
Wer sind die Heldinnen und Helden der heutigen Zeit? Welches sind die Werte und Vorbilder, denen wir aktuell nacheifern? Welche sind neu – und welche seit jeher vorhanden?

Die Fotoserie war Leihgabe des Museion in Bozen und Teil des Kunstprojekts "Museion in den Museen" im Jahr 2014.