19/20. Februar 2010
Andreas Hofers letzter Weg nach Mantua27.- 28. Jänner: St. Leonhard, Pfandler AlmIn
der Nacht vom 27. auf den 28. Jänner 1810 wurde Andreas Hofer, seine
Frau Anna, sein Sohn Hans und sein Schreiber Kajethan Sweth auf der
Pfandleralm („Aawåld“ genannt) von Franzosen und Italienern gefangen
genommen. Der französische General Huard meldete die Verhaftung des
„Barbone“ sonderbarerweise bereits am 27. Jänner. Er ordnete an, Hofer
in die „Festungsstadt“ Mantua zu bringen, die zu der Zeit unter
französischer Herrschaft stand und wo zahlreiche Tiroler Gefangene
inhaftiert waren.
28. Jänner: MeranAm
Sonntag wurden die Gefangenen im Triumphzug durch die Stadt Meran
geführt, begleitet von etwa 1500 Franzosen und türkischer Musik. Im
„Goldenen Adler“ (heute: Graf von Meran) wurde Hofer verhört.
Übernachtet soll er im nahe gelegenen „Hilpoldhaus“ am Rennweg haben.
Anna Ladurner gab 1820 zu Protokoll, in Meran wäre ihrem Mann Geld
abgenommen worden.
29. Jänner: BozenIn
Bozen war Hofer öfters mit dem Müllermeister Josef Rössler und dem
Mondscheinwirt Handelsbeziehungen eingegangen, den Merkantilmagistrat
hatte er um Darlehen gebeten und sich dabei verschuldet. Im Juli 1809
befand sich in Bozen sein „stehendes Hauptquartier“. Auf dem Weg nach
Mantua wurden die Gefangenen in dem Eckhaus Bindergasse/Vintlergasse
(„St. Afra“) interniert. Hofers Frau und Sohn kamen auf Fürsprache der
angesehenen Bozner Familie Giovanelli nach einem Aufenthalt im Spital
zum Sandhof zurück.
30. Jänner: NeumarktAm
30. Jänner kamen Hofer und Sweth am Nachmittag in der Marschstation
Neumarkt an. Sie wurden im Gerichtsgefängnis (heute: Renzihaus) in den
Lauben einquartiert, vermutlich in den wärmeren Zellen des
Obergeschosses. Hier besuchte ihn sein Freund Vinzenz von Pühler, der
ihm Kleidung, Geld und ein Gebetsbüchlein schenkte. Hofer verfasste ein
Bittschreiben an General d`Hilliers und seinen letzten Brief an seine
Frau, in dem er die gute Behandlung von Seiten der französischen
Offiziere erwähnt und im Vertrauen auf Gott die Hoffnung ausspricht,
seine Familie wieder zu sehen.
31. Jänner: TrientAm
Domplatz in Trient wurden die Gefangenen von einer großen Menschenmenge
bestaunt. Über den Ort der Einquartierung und Übernachtung gibt es
keine genauen Angaben. Die Stadt stand den Aufständen misstrauisch und
ablehnend gegenüber und Andreas Hofer hatte bereits am 24. April 1809
eine Nacht in Trient verbracht.
1. Februar: RoveretoUntergebracht war Hofer in Rovereto vermutlich in der alten Kaserne.
„Überall,
wo die Franzosen mit dem gefangenen Andreas Hofer vorbeikamen, liefen
die Menschen herbei, teils weinend, klagend und ihn segnend“, heißt es
in historischen Schriften. In Rovereto war Hofer knapp ein Jahr zuvor,
am 26. April 1809, als Befreier eingezogen, nachdem er zusammen mit dem
österreichischen General Chasteler die Franzosen bei Volano angegriffen
und später nach Süden verfolgt hatte.
2. Februar: Ala In
der südlichsten Stadt des ehemaligen Tirol wurden Hofer und Sweth im
Palazzo Taddei eingekerkert. Als hier angeblich aus einem Ofen
Kohlenmonoxyd austrat, soll Hofer die sich bietende Gelegenheit einer
Flucht nicht genutzt, sondern einen vom Rauch betäubten Offizier aus
dem Zimmer getragen haben. Auch ein Fleischgericht soll der gläubige
Sandwirt in Anbetracht des Fasttages (Freitag) verweigert haben.
3. Februar: VeronaDie
Heeresstraße führte damals weiter in Richtung Verona, wo Hofer
offensichtlich eine weitere Nacht verbrachte. Genaueres weiß man hierzu
nichts.
4. Februar: Peschiera, Valleggio, Borghetto Die
Verbindung nach Mantua führte damals über Peschiera, wo Andreas Hofer
vermutlich in der Festung Halt machte. Im sieben Kilometer entfernten
Valleggio kommt der Palast Guarienti, wo sogar Napoleon zeitweise sein
Quartier hatte, als Unterkunftsstätte in Frage. Näheres ist dazu nicht
bekannt. Ebenso offen bleibt, warum das so nahe liegende Borghetto als
ein weiterer Aufenthaltsort von Hofer auf seinem Weg nach Mantua
genannt wird.
5. Februar: Mantua Die
Gefangenen wurden auf der Straße entlang des Mincio nach Mantua
gebracht, wo sie gegen Abend in der sogenannten Zitadelle, einem als
Festung eingerichteten Brückenkopf außerhalb der Stadt, ankamen. Hier
befand sich der Al-Vaso-Turm mit mehreren Gefängniszellen, in welchem
die Tiroler untergebracht waren. Hofer und Sweth sollen vom
Festungskommandanten Bisson die „für ranghöhere Gefangene vorbehaltene
Zelle Nr. 1“ im oberen Stock des Gefängnisses zugewiesen erhalten
haben.
Der gefangene Andreas Hofer in MantuaHalbherzige Bemühungen Während
Hofer in seiner Zelle in Mantua ausharrte, arrangierte der
österreichische Außenminister Metternich eine Ehe zwischen der
18-jährigen Kaisertochter Marie Louise und dem 41-jährigen Napoleon.
Für den 11. März 1810 wurde die Ferntrauung angesetzt.
Über Hofers
Gefangennahme war man am Hof in Wien bereits am 9. Februar informiert.
Aber erst drei Tage später wies Kaiser Franz seinen Botschafter
umständlich per Hauspost an, die Botschaft in Paris mit dem Fall zu
betrauen. Es vergingen zwei weitere Tage, bis der Brief aufgesetzt
wurde: Der Gesandte in Paris solle sich „mit allen Mitteln“ für Hofer
einsetzen. Ob dieses Bittschreiben oder vielleicht gar eine persönliche
Fürsprache des Kaisers bei Napoleon etwas genutzt hätten, ist fraglich.
Jedenfalls war der Brief per Reitboten nicht vor dem 18. Februar in
Paris. Frühestens am 19. hätte der dortige Botschafter einen Termin für
eine Vorsprache beim Außenministerium Napoleons bekommen können. Zu
spät für die am Vormittag des 20. Februar in Mantua angesetzte
Erschießung Hofers.
„Prozess“ und ErschießungDer
Sandwirt genoss bei den Mantuanern, unter denen viele
österreichfreundlich gesinnt waren, zahlreiche Sympathien. Sie
sammelten 5.000 Scudi für die Freilassung von Andreas Hofer.
Dessen
ungeachtet kam es am Montag, den 19. Februar zum Prozess in
französischer Sprache im „Salone degli Antenati“ des Palazzo d’Arco
(und nicht im „Papier peints“, das traditionell „Hofer-Saal“ genannt
wird).
Weder Hofer noch sein „Pflichtverteidiger“ Joachim Basevi
konnten die Anklage leugnen: Hofer habe auch nach der
Friedensproklamation den Aufstand angeführt und zum Zeitpunkt der
Verhaftung Waffen bei sich gehabt. In erster Linie aber wurde Hofer
wegen der Kollaboration mit dem Feind Österreich verurteilt, die laut
französischem Kriegsrecht für ein Todesurteil ausreichend war. Trotzdem
war es kriegsrechtlich nicht unbedenklich, dass der Sandwirt als
bayerischer Staatsbürger (!) vor ein französisches Gericht gestellt
wurde.
Das Militärgericht der Armée d`Italie brauchte am Nachmittag
des 19. Februar 1810 im Palazzo d`Arco nicht lange, um das Urteil zu
fällen: Todesstrafe, zu vollstrecken innerhalb von 24 Stunden. Im
Grunde war Hofers Anwalt nur „pro forma“ ernannt worden, denn das zu
sprechende Urteil war auf telegrafischem Weg am Vortag in Mantua
eingetroffen: Napoleon höchstpersönlich hatte die Erschießung Andreas
Hofers am 11. Februar in Paris angeordnet. Nach Ende des Prozesses
gegen 17.30 Uhr wurde das Todesurteil dreisprachig auf 500 Plakate
gedruckt, welche zur Abschreckung anderer Rebellen dienen sollten.
Der 20. Februar 2010 Kurz
nach Mitternacht verkündete General Graf Bisson in Begleitung von
sieben Offizieren das Todesurteil an Andreas Hofer. In den frühen
Morgenstunden verabschiedete sich der Sandwirt von seinem Schreiber,
schrieb seinen letzten Brief an Vinzenz von Pühler und erhielt
geistlichen Beistand durch Probst Giovanni Manifesti. Diesem schenkte
nach seiner Abführung zu seiner Hinrichtungsstätte, einer Wiese neben
der Porta Maggiore (heute: Porta Giulia), ein Kruzifix und einen
Rosenkranz.
Um Andreas Hofers Erschießung kursieren viele Legenden:
Einige verdankt der Sandwirt ausgerechnet einem Franzosen, dem
Hauptfeldwebel Michel Eiffes, der die Exekution leitete. Jahre später
erzählte Eiffes seinem Enkel die Erschießungsszene, die dieser dann
1848 so wiedergab: „Mit schwerem Herzen führte ich den Auftrag aus.
Hofer lehnte es ab, sich die Augen verbinden zu lassen. Er selbst
befahl ‚Feuer!’ und die zu bewegten Grenadiere schossen so schlecht,
dass ich gezwungen war, ihm einen dreizehnten Schuss zu geben. Das war
das Ende eines Tapferen...“
Die Erschießung war zur Mittagszeit
und hatte wie in der „Gazzetta di Mantova“ geschrieben stand, „vor den
Augen vieler Menschen“ stattgefunden. Begraben wurde der Leichnam im
Friedhof von San Michele in Mantua. Der Priester Alessandro Borghi
verfasste die Todesurkunde und sorgte für einen Grabstein. Zehn Jahre
später wurde der Friedhof aufgehoben, das Grab Hofers aber blieb
erhalten, bis die Gebeine am 9. Jänner 1823 heimlich durch
Kaiserjäger-Offiziere exhumiert und nach Tirol gebracht wurden. Am 21.
Februar 1823 wurden die Überreste Hofers feierlich in der Innsbrucker
Hofkirche beigesetzt.
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